Körpersprache in Verhandlungen

Bei der letzten Ausgabe des Seminars zur Körpersprache in Verhandlungen des VDI Stuttgart geriet ich in eine Schleife. Ein Teilnehmer lehnte sich langsam in seinen Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust, streckte die Füße etwas aus und fragte mich mit zweifelndem Gesichtsausdruck: „Sind Sie eigentlich überzeugt von dem, was Sie das sagen?“

Was war es, das dem Teilnehmer eine glaubhaft ungläubige Körperhaltung und Miene entlockte, die er aber selbst nicht für authentisch hielt, sondern als eine bewusste Selbstinszenierung bot? Ich wusste sofort, wie wenig ihn mein „Ja“ interessierte; ihn interessierte vielmehr, wie ich mich in dieser Situation selbst inszenieren würde – das war mir klar, was der Teilnehmer natürlich ebenfalls wusste.

Die gespielte Skepsis, die inszenierte Weigerung, mit mir mitzugehen, sondern statt dessen die Bereitschaft, eine distanzierte oder gar konträre Meinung darzustellen, entzündete sich an der Behauptung, der größte Teil der menschlichen Kommunikation passiere körpersprachlich und nonverbal. Ich war in der Schleife als mir klar wurde, dass die gespielte Distanz des Teilnehmers nur möglich war, weil seine Inszenierung eine genaue Bekräftigung meiner Behauptung war.

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Mein Edutainment in Seminaren

In vielen Seminaren der Erwachsenenbildung verhalten sich die Teilnehmerinnen und – teilnehmer so, wie sie es in der Schule gelernt haben. Die Erfahrungen der Schulzeit haben einen hohen Anknüpfungswert, weil sie sofort und ohne spürbaren Anpassungsaufwand auf die aktuellen Situationen des Lehrens und Lernens übertragbar sind. Meistens ist die Situation sofort als Lernen und Schule erkennbar, weil die Räume so eingerichtet sind und die Räume sich in einem entsprechend angelegten Gebäude befinden.

Zwei Prinzipien sind hier vorhanden: Erwartung und Ordnung. Als drittes kommt eine Autoritätsperson hinzu, die das ordentliche Messinstrument des Wohlverhaltens anwendet und die Belohnungen verteilen kann, die dem erwarteten und erkennbaren Grad der Anpassung entsprechen: Erwerb von Wissen und Können, sowie Anpassung an eine Ordnung, die sich als Funktionsmechanismus für einen reibungslosen Ablauf des gemeinschaftlichen Lernprozesses ausgibt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Erwachsenenbildung erleben sich – mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger gewollt oder in Kauf genommen – oftmals in einem Gefälle. Gefälle des Wissens, des Könnens, der Vertrautheit (mit dem Thema), der Perspektive (der Verwendung neu Erlernten) und nicht zuletzt in einem Gefälle der Macht. Das bloße Erlebnis des Gefälles kann Unsicherheit produzieren, die Entscheidung für ein bestimmtes Gefälle, genauer für die eigene Position in einem bestimmten Gefälle, kann wieder zur Sicherheit führen. Die eigene Position im Machtgefälle zu verankern, hat die stärkste Wirkung von allen Wahlmöglichkeiten.

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Rückblick auf eine Moderation

Die Veranstaltung am letzten Dienstag (23.10.2018) war schon die sechste über Menschen mit Schwerbehinderungen in der Arbeitswelt. In einem anderen Beitrag hatte ich sie vor einiger Zeit hier angekündigt. Heute ging es ans Eingemachte, alle denkbaren philanthropischen Rücksichten, wie ein harmonisches Zusammenleben im Betrieb und so weiter, waren bereits in den anderen fünf Veranstaltungen ausreichend Thema gewesen. Jetzt stand die „K-Frage“ im Mittelpunkt, die Möglichkeit, schwerbehinderten Mitarbeitern zu kündigen, wenn es denn notwendig sein sollte. Im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen also eine inhaltliche Wendung um 180 Grad.

Der Beschäftigung mit dem Thema der Veranstaltung einen besonderen Akzent zu geben, ist stets Herausforderung für mich. Die Moderation darf nämlich nicht zu einem affirmativen Nachhecheln werden, das jeder Realisierung des Themas einen verbalen Ritterschlag gibt. Es kann aber auch nicht sein, und schon gar nicht aus einer über allem schwebenden rhetorischen Distanz, vielleicht noch mit einer ironischen Einfärbung, dem Thema den Todesstoß zu versetzen. Distanzierte Moderation könnte das Motto der beiden Enthaltungen sein. Hinzu kommt die Aufgabe, der aktuellen Veranstaltung innerhalb der ganzen Reihe eine Rechtfertigung durch besondere Akzente zu geben.

Damit sind die Grundlagen und Leitlinien genannt und nach deren Maßgabe und Möglichkeiten legten wir die Veranstaltung an. Dazu gehörte es auch, Gäste einzuladen – natürlich besonders das Unternehmen, dessen Geschichte wir uns ausliehen.

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Warum ich über Edutainment schreibe

Mir macht es Spaß, für den Spaß anderer Menschen zu sorgen. Ich bringe sie gern zum Lachen. Mein idealer Beruf wäre also Alleinunterhalter. Mein Pech ist, dass mir gewisse Themen wichtig sind, und ich sie damit anderen nahe bringen möchte - zum Beispiel Körpersprache zu verstehen. Damit müsste meine Berufswahl wohl Pädagoge sein.

Lange war ich der Ansicht, beide Berufe schlössen einander aus, obwohl ich in seltenen – viel zu seltenen – Situationen mit einer Kombination von beiden beglückt wurde: unterhaltsame Lehrer, lehrreiche Unterhalter. Menschen, denen diese glückliche Kombination gelingt, nennt man Edutainer – das erfuhr ich erst nach langer Zeit. Da war ich schon Pädagoge und begann meine Entdeckungsreisen ins Edutainment mit meiner Arbeit als Pädagoge, als Trainer, Moderator und Vortragsredner.

Menschen mit professionellen Techniken des Edutainments wichtige Themen näher zu bringen, ist heute mein Beruf.

Jetzt will ich über Edutainment schreiben. Schreiben ist immer ein gutes Mittel, die Gedanken zu ordnen und neue zu bekommen. Dann ist mir daran gelegen, ein wenig Licht ins Schattendasein des Edutainments zu bringen. Drittens möchte ich das Gespräch mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.

Ich werde in lockerer Folge und kurz gefasst über mein Edutainment schreiben. Einige der Überlegungen will ich an anderer Stelle auf meiner Website vertiefen – die Links führen also in den Keller der Details oder auf den Dachboden des Überblicks.

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Edutainment und PowerPoint-Karaoke

Die Regeln des Powerpoint-Karaokes sind einfach erklärt: man fische eine Powerpoint-Präsentation aus dem Internet, drücke einem Menschen ein Mikrophon in die Hand, stelle ihn vor die laufende Präsentation und bitte ihn, eben dieselbe dem feixenden Publikum zu erklären. Natürlich ohne je zuvor auch nur eine Folie gesehen zu haben und ohne eine Möglichkeit Folienzahl oder Durchlaufgeschwindigkeit zu beeinflussen.

Für die Auswahl der Präsentation gilt die Regel, je weiter sie inhaltlich vom Erklärenden entfernt und je blöder, desto besser ist sie geeignet. Alle weiteren Regeln sind Zutat, wie z.B. die, aus einer Abfolge von mehreren Präsentationen mit Erklärungsversuchen einen sportlichen Wettkampf zu gestalten.

Das Ziel der Übung ist den schönen menschlichen Hang zur Schadenfreude zu unterstützen: zuschauen und sich amüsieren, wie sich dort vorn jemand produziert – mehr oder weniger gut, meistens weniger, was die Freude der Zuschauermeute freilich befeuert.

Ich liebe Powerpoint-Karaoke – oder PPK, um das Wortungetüm etwas handlicher zu machen. Nein, nicht als Zuschauer, sondern als Aktiver mit dem Mikrophon in der Hand. Nicht selten stehe ich als einziger mit dieser Haltung mutterseelenallein vor der Leinwand mit der schrillsten aller auffindbaren Präsentationen.

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Mein Weg zum Edutainment: Die Universität

So schnell aber ließ ich nicht locker bei der Schule, vielleicht war da ja doch noch etwas mehr an Spaß und Anarchie zu finden als ich auf den gewöhnlichen Anstalten erleben durfte. Mein eigener Sonderweg hieß Abendgymnasium. Unterm Strich ging es dort wirklich lebhafter zu als in allen Schulen vorher, aber eigentlich nur, wenn wir die Pausen, die Zeit in der Cafeteria und das Bier danach zur Schule hinzu zählen. Der Unterricht selbst war knochentrocken, wie gewohnt – nur anders. Viele der jungen Lehrer waren zukünftige Altachtundsechziger und verhielten sich schon damals so. Die ganzen ideologischen Wolkenschiebereien gaben keinen Tropfen Spaß her, dazu war die Kritik an den herrschenden Verhältnissen viel zu ernst. Die Deutschstunden wurden zur Arena einer Art von Pseudospaß, wenn das „politische“ Cabaret dran war. Eine Pappkulisse wurde für die Wirklichkeit ausgegeben und mit einer vorhersehbaren Pointe entlarvt und erledigt. Zaghafte und der Natur der Sache nach nicht ernst gemeinte Hinweise, ein wenig mehr Anarchie und Spaß im Unterricht zu versuchen, wurden als kleinbürgerliches Vergnügungsbestreben auf ihren Platz (dem Müllhaufen der Geschichte) verwiesen.

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Mein Weg zum Edutainment: Die Schule

Schon bevor mir die erste Schulglocke läutete, entfaltete die Schule ihre erzieherische Wirkung. Kurz nach meinem fünften Lebensjahr wurde sie zunehmend in die Ermahnungsmaßnahmen der Eltern eingebaut: „Wenn du erst einmal zur Schule gehst, dann hast du nicht mehr viel zu lachen.“ Leider behielten meine Eltern Recht, es gab dort nicht viel zu lachen und wenn es mal doch etwas zu lachen gab, dann hatte der Witz garantiert die pädagogische Qualitätskontrolle bestanden. Denn es waren die Lehrer, die die Witze machten - wenn überhaupt. Kam einer der keimfreien und pädagogisch wertvollen Witze von vorn, dann mussten wir lachen. Auch dann wenn wir den Witz nicht verstanden, doch das war wohl der Trick bei der Sache.

Ein paar andere offizielle Gelegenheiten, in denen Lachen im Unterricht erlaubt war, gab es auch noch. Fand sich ein Mitschüler, um an ihm den pädagogischen Witz zu wetzen, dann durften wir anderen lachen. Der Unterschied zum Witz des Lehrers lag nicht in dessen Qualität, sondern im Verpflichtungsgrad des Lachens. Wurde Klaus niedergemacht, weil er den Ablativus Absolutus nicht erkannte, dann durften wir lachen, mussten es aber nicht.

Mehr gibt es über das Thema Lachen in der Schule nicht zu sagen. Zumindest was meine Erinnerungen betrifft. Zum Glück liegen die schon Jahrzehnte zurück und vielleicht hat sich heute etwas geändert. Die Erinnerungen an dieses Wunderland („mich wundert, dass sie dich noch nicht rausgeschmissen haben“) verblassen langsam, ohne sich ins Wohlige zu verwandeln. Klar und deutlich, wie das Grinsen der Chesire-Katze blieb die Frage nach dem Lachen in der Schule.

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Was macht den besonderen Kündigungsschutz besonders?

Seit vielen Jahren schon moderiere ich eine Veranstaltungsreihe. Die Reihe wird vom ZBFS („Zentrums Bayern Familie und Soziales“ - ZBFS- oft auch noch Integrationsamt genannt) und der IHK Nürnberg organisiert und findet stets an einem Wochentag von ca. 17:00 bis 19:00 in Nürnberg statt. Es gibt einen allgemeinen informativen Teil und dazu Infostände.

Immer geht es um Arbeitnehmer mit einer Beeinträchtigung, derentwegen ihre Arbeitgeber die Leistungen des ZBFS in Anspruch nehmen möchten. Die Beeinträchtigungen sind beispielsweise eine plötzliche Schwerbehinderung, die Einstellung von Schwerbehinderten und was sich an fatalen gesundheitlichen Desastern im Arbeitsleben noch so einstellen kann.

Die Reihe richtet sich an Arbeitgeber, denen es nicht um Gießkanneninformationen zum Thema geht – wahre Worte, die zwar auch stimmen, die eigene Situation im entscheidenden Punkt aber doch nicht treffen. Für die speziellen Informationsbedarfe stehen die Infostände von Krankenkassen und sonstigen Leistungsträgern zur Verfügung.

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Mein Edutainment in Moderationen

Vorn ist eine Bühne aufgebaut? Gut – dann haben wir es mit einer Veranstaltung, einem Kongress, einer Tagung oder ähnlichem zu tun. Dass die Teilnehmer der Unterhaltung wegen kommen, können wir ebenfalls ausschließen – es sind berufliche oder geschäftliche Gründen, die die Gäste herbringen. Ernste und wichtige Sachen also.

Ich komme als Moderator dazu. Ich soll Unterhaltung und Spaß in die Veranstaltung bringen, die sonst nicht da wären. Ich bin der Entertainer des ernsten Anlasses.

Mich als Moderator zu holen, hat eine eigene Logik: die Teilnehmer allein sind mit ihren Geschäften, mit dem Ausleben der Motive ihrer Anwesenheit und nicht zuletzt mit ihrer Selbstdarstellung so sehr beschäftigt, dass für die Produktion von Spaß einfach keine Reserven mehr da sind. Bei mir fallen alle drei Punkte zusammen: Moderation ist mein Geschäft, ich bin des Spaßes wegen da und kann mich dabei sogar noch selbst darstellen – die perfekte Rolle.

Warum eigentlich trage ich keine Pappnase, sondern einen Anzug wie alle anderen Männer auch und warum spritze ich niemanden aus meiner Knopflochblume nass, sondern halte den Menschen ein Mikrophon unter die Nase?

Das hat wiederum mit dem zweiten Teil meines Auftrags als Moderator zu tun. Die Teilnehmer der Veranstaltung sind keine Zuschauer, sie sind meine Gäste; je mehr sie mit mir zu tun haben, zu tun haben müssen, desto mehr behandle ich sie als Gast. Es ist meine Aufgabe, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich meine Gäste wohl fühlen und ihre Ziele verfolgen können. Ich bin also der Wettermacher für ein entspanntes Klima.

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PRO Fachkräfte Kongress für Personal-Management

Normalerweise schreibe ich über Veranstaltungen, an denen ich selbst mitwirke. Jetzt ist es anders. Zugegeben – in den letzten Jahren habe ich gelegentlich an der Kongressreihe mitgewirkt; moderierend oder auch workshopend (Sprachkritiker aufgepasst – ein neuer Anglizismus!). In diesem Jahr am 15. November bin ich normaler Teilnehmer beim Personalkongress PRO Fachkräfte in Nürnberg und darauf freue ich mich besonders.

Es sind die Themen und die Vortragenden. Das Thema Fachkräfte ist nie erschöpft, nicht nur weil es immer noch zu wenige gibt und die Zukunft auch nicht lichter erscheint. Da sind die vielen neuen Aspekte. Gespannt bin ich, was sich hinter dem kessen Versprechen verbirgt „wer keine Fachkräfte findet, ist selber schuld!“. Irgendwie muss ich es zur gleichen Zeit auch schaffen, den anderen Workshop zu besuchen, in dem es um wertschätzendes Wirtschaften geht. Am noch frischen Vormittag bin ich sicher bei der Diskussion um die Kompetenz Geflüchteter zu finden – zwei der drei Referenten hatte ich schon in einer von mir moderierten Veranstaltung. Richtig neugierig bin ich, worauf die „Allianz pro Fachkräfte“ in diesem Jahr ihren Schwerpunkt setzt.

Ich will auf dem Kongress alte Bekannte wieder treffen. Das wird bestimmt eine entspannte Wanderung entlang der Grenze zwischen wichtigen Themen und dem Geplauder, das gerade dann erfrischend ist, wenn man sich nicht oft sieht. Wenn es sich im Gespräch ergibt, überspringen wir einfach einen Workshop und bleiben nach dem Pausengong am Bistrotisch stehen. Klatsch und Tratsch haben schon etwas für sich und toppen manchmal das spannendste fachliche Thema.

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