Corona

Infotainment oder der Verrat des Professors

Dieser Text enthüllt keine sensationellen Neuigkeiten; als „Breaking News“ taugt er nichts und sein Unterhaltungswert tendiert gegen Null. Infotainment wird hier nicht geboten; ich versuche es nicht einmal.

Es begann mit der Suche nach verlässlichen Informationen zu Corona. Um die Informationen wissenschaftlicher Institutionen einordnen und nutzen zu können, ist Hintergrundwissen nützlich. Viel muss es nicht sein und es lässt sich leicht erwerben. Zwar kollidieren die Fachleute manchmal mit meiner Lebenserfahrung, doch das lässt sich zurecht rücken. Eine Kollision produzierten die amerikanischen Forscher mit der Empfehlung eines Lockdown - Schulschließungen und anderen Unannehmlichkeiten eingeschlossen - bis weit in das Jahr 2021 und gar hinaus. Immerhin erwarteten sie neben den erfreulichen Folgen auch weniger erfreuliche für die Wirtschaft, Gesellschaft und Psyche. Wissenschaft kann irren, das ist ihr Wesen und ihre Geschichte.

Schlimm werden Meldungen aus der Wissenschaft, wenn sich die Nachrichtenmedien ihrer annehmen, sie in Zeitungen erscheinen und auf Websites gepostet werden. Medien brauchen Material, Material und noch einmal Material. Eingängig muss es sein, muss sich schnell ins Gehirn brennen und Unterhaltungswert haben. Die Meldungen müssen knallen, scheppern und explodieren. Geben sie das nicht direkt her, muss das Knallen, Scheppern und Explodieren in den Konjunktiv und in die Zukunft verlegt werden, dann aber möglichst extreme Folgen haben. Das Unglück von heute wird zur Katastrophe von morgen. Aber schnell bitte, am besten noch schneller, damit die nächste Sensation drankommen kann.

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Gedanken aus der Krise (2): New Work und dann?

Erinnern Sie sich noch an das Schlagwort „New Work“? Das war damals vor der Krise ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe erdachter und gewünschter neuer Entwicklungen des Arbeitslebens: Digitalisierung, dezentrales und situatives Arbeiten, Autonomie und Selbstverantwortung der Beschäftigten bei gemeinsamen und von allen Zielen für das Team und die Unternehmung. Damals vor der Krise, in den lang zurückliegenden Zeiten des Januar 2020 klangen diese Gedanken wie eine Utopie, die erst in ganz wenigen Unternehmen zaghaft realisiert wurde. Natürlich hatte das Schlagwort des „New Work“ damals allen Sonnenschein der Utopie: Mitbestimmung, Selbstverwirklichung, Ideen und Visionen.

Findet eine Vision ihre Praxis, bringt die einen kräftigen Grauschleier der Pragmatik in das schöne Bild. Praxis aber zählt und schafft die Wirklichkeit, in der sich die Ideen weiter entwickeln können.

Inzwischen haben vielen Millionen Beschäftigte in Deutschland und anderswo ihre praktischen Erfahrungen im Homeoffice gemacht – sie haben im New Work gearbeitet und gelebt und tun es noch für einige Zeit. Freilich war die Entscheidung dafür in den wenigsten Fällen freiwillig. Wird einem die Entscheidung im Homeoffice abgenommen, hat das einen Vorteil. Dem Zwang und der Einsicht in die Notwendigkeit zu folgen, ist eine gute Versicherung gegen Enthusiasmus und so können wir davon ausgehen, dass die Erfahrung der vielen mit New Work authentisch sind.

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Gedanken aus der Krise (1): Kommunikation nach Corona

Seit Tagen leben wir in Quarantäne und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Irgendwann aber wird die Pandemie vorüber sein. Das ist der Moment der Fragen: was ist nun anders, was ist neu und was ist geblieben?

Viele Entwicklungen, die bereits seit längerem im Gange sind, werden sich beschleunigen, einige werden zum Abschluss kommen. Beendet werden zum Beispiel Vorkommen, Funktion und Arbeitsweise des klassischen Einzelhandels. Konventionelle Geschäfte wie Buchläden wird es bald nicht mehr geben. Sie kann es geben, doch sicher mit einem anderen Geschäftskonzept als Bücher über die Theke zu reichen und laienhaft abgespultes Prospektwissen als Beratung zu verkaufen. Amazon liefert demnächst direkt an die Lesecouch und mit „Lesecouch“ ist eine Website genannt. Eine von vielen über Bücher, in der kein Profi spricht aber jemand mit Sachverstand.

Die Welt wird digitaler werden. Das ist eine Entwicklung, die sich noch beschleunigen wird. Es wird noch mehr im Netz recherchiert, noch mehr gekauft und noch mehr kontrolliert. Natürlich sind sich alle einig, dass nach der Krise der Umgang mit den Grundrechten und besonders dem informationellen Selbstbestimmungsrecht genau beobachtet und diskutiert werden muss, dass die massenhafte Datenanalyse zum höheren Zweck der Gefahrenabwehr eine Ausnahme bleiben wird. Aber wo einmal ein Nagel in die Wand geschlagen wurde, findet sich schnell ein Mantel zum Dranhängen.

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