Augenhöhe

Die Weintraube des Oberkellners

Urlaub, Sonne, Strand –die Basis für zwei Wochen in einem griechischen Hotel. Das Zimmer blickte meerwärts in den Sonnenaufgang hinein, die Küche war vorzüglich und der Service passte ausgezeichnet dazu. Wir mussten ungefähr gleich alt sein – der Oberkellner und ich. Damit endeten die wahrnehmbaren Gemeinsamkeiten. Die spürbaren Unterschiede lagen woanders: Er hieß „Konstantinos“, so stand es in gut lesbaren lateinischen Lettern auf seinem Namensschild, darunter in schwächerer Schrift „Constantin“. Einen griechisch geschriebenen Vornamen gab es nicht, sein Nachname wurde mir vorenthalten. Also sprach ich ihn als „Konstantinos“ an, ließ aber eine weitere Anrede fort. In feierlichen Momenten, bei der täglichen Begrüßung oder wenn die Getränkebestellung abgeschlossen war, war ich „Sir“, sonst „Mister“. Da ich kein Namensschild trug, blieb es dabei.

So kamen wir miteinander durch die Tage. Natürlich war ich freundlich zu ihm, wir redeten stets ein paar Sätze miteinander – das Wetter, die Sonne, der Wein, über all den nichtigen Blödsinn eben, von dem uns die Reiseveranstalter glauben machten wollen, er sei der einzige Lebensinhalt der ortsansässigen Bevölkerung. Außer natürlich das Abräumen der Teller. Die Verständigung hangelte sich durch ein paar Sprachen, etwas Deutsch, etwas Englisch – ein paar Brocken hier, ein paar Brocken da. Ich grüßte auf Griechisch, oder was ich dafür hielt. Konstantinos war tolerant genug, meine merkwürdigen Griechischversuche zu akzeptieren.

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