Seminar

Wo bleiben die Hausmeister?

Ja tatsächlich, wo bleiben sie? Eine Antwort könnte sein, dass Sie an meinem Seminar teilnehmen. Das wäre zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit und außerdem wären wir da in der Mitte der Geschichte. Fangen wir am Anfang an.

Neulich wurde ich um ein Seminar für Hausmeister gebeten, genauer: um ein Seminar für Schulhausmeister. Anlass und Thema waren der Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schüler. Meine Zusage kam sofort und freudig. Ich habe gern mit Schwierigkeiten im pädagogischen Kontext zu tun – als Seminarthema.

Die Vorbereitung offenbarte eine seltsame Lücke, eine Art Bermuda-Dreieck im Schulgelände, in dem die Hausmeister irgendwie verschwanden. Über schwierige Schüler gibt es eine Menge guter und gutgemeinter Literatur von Pädagogen für Pädagogen und Eltern. Wenn man sich den Hausmeistern zuwendet, findet man einige Literatur und Websites, die sich ihnen aus der Perspektive des Gebäudemanagements nähern.

Dazwischen gibt es nichts, kein Buch, keinen Aufsatz, keine Website über den Umgang von Hausmeistern mit schwierigen Schülern. Wo sind denn hier die Hausmeister? Die Antwort ist einfach: sie sind nicht da – sie werden nicht berücksichtigt. Nicht dass sie keine Schwierigkeiten hätten – im Gegenteil. Deswegen das Seminar, aus dem am Ende dann sogar zwei wurden. Es gab einen gewissen Andrang auf der Warteliste.

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Körpersprache in Verhandlungen

Bei der letzten Ausgabe des Seminars zur Körpersprache in Verhandlungen des VDI Stuttgart geriet ich in eine Schleife. Ein Teilnehmer lehnte sich langsam in seinen Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust, streckte die Füße etwas aus und fragte mich mit zweifelndem Gesichtsausdruck: „Sind Sie eigentlich überzeugt von dem, was Sie das sagen?“

Was war es, das dem Teilnehmer eine glaubhaft ungläubige Körperhaltung und Miene entlockte, die er aber selbst nicht für authentisch hielt, sondern als eine bewusste Selbstinszenierung bot? Ich wusste sofort, wie wenig ihn mein „Ja“ interessierte; ihn interessierte vielmehr, wie ich mich in dieser Situation selbst inszenieren würde – das war mir klar, was der Teilnehmer natürlich ebenfalls wusste.

Die gespielte Skepsis, die inszenierte Weigerung, mit mir mitzugehen, sondern statt dessen die Bereitschaft, eine distanzierte oder gar konträre Meinung darzustellen, entzündete sich an der Behauptung, der größte Teil der menschlichen Kommunikation passiere körpersprachlich und nonverbal. Ich war in der Schleife als mir klar wurde, dass die gespielte Distanz des Teilnehmers nur möglich war, weil seine Inszenierung eine genaue Bekräftigung meiner Behauptung war.

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Mein Edutainment in Seminaren

In vielen Seminaren der Erwachsenenbildung verhalten sich die Teilnehmerinnen und – teilnehmer so, wie sie es in der Schule gelernt haben. Die Erfahrungen der Schulzeit haben einen hohen Anknüpfungswert, weil sie sofort und ohne spürbaren Anpassungsaufwand auf die aktuellen Situationen des Lehrens und Lernens übertragbar sind. Meistens ist die Situation sofort als Lernen und Schule erkennbar, weil die Räume so eingerichtet sind und die Räume sich in einem entsprechend angelegten Gebäude befinden.

Zwei Prinzipien sind hier vorhanden: Erwartung und Ordnung. Als drittes kommt eine Autoritätsperson hinzu, die das ordentliche Messinstrument des Wohlverhaltens anwendet und die Belohnungen verteilen kann, die dem erwarteten und erkennbaren Grad der Anpassung entsprechen: Erwerb von Wissen und Können, sowie Anpassung an eine Ordnung, die sich als Funktionsmechanismus für einen reibungslosen Ablauf des gemeinschaftlichen Lernprozesses ausgibt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Erwachsenenbildung erleben sich – mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger gewollt oder in Kauf genommen – oftmals in einem Gefälle. Gefälle des Wissens, des Könnens, der Vertrautheit (mit dem Thema), der Perspektive (der Verwendung neu Erlernten) und nicht zuletzt in einem Gefälle der Macht. Das bloße Erlebnis des Gefälles kann Unsicherheit produzieren, die Entscheidung für ein bestimmtes Gefälle, genauer für die eigene Position in einem bestimmten Gefälle, kann wieder zur Sicherheit führen. Die eigene Position im Machtgefälle zu verankern, hat die stärkste Wirkung von allen Wahlmöglichkeiten.

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Fünf Stationen eines gelingenden Seminars

Am Ende der Veranstaltung als Trainer, als Redner als Dozent fragt man sich, ob sie denn auch erfolgreich war. Das eigene Erleben ist kein tauglicher Gradmesser: der Körper ist voll mit Adrenalin und die Wahrnehmung ist verzerrt. Trotzdem gibt es ein gutes Messinstrument, nämlich die Körpersprache der Teilnehmenden. Wie die am Ende reagieren, zeigt an, wie es war. Auf eine kurze Formel gebracht sind es zwei Zustände, die den Erfolg anzeigen: die Veranstaltung war erfolgreich, wenn die Teilnehmenden glücklich und angeregt gehen.

Teilnehmer sind glücklich, wenn es entspannt zuging und unterhaltsam. Es wurde gelacht und man hatte Spaß miteinander, also war die Atmosphäre gut. Angeregt sind die Teilnehmer, wenn sie etwas zum Thema, zum Gegenstand der Veranstaltung, mitnehmen können in ihr Leben. [Glück: Wir und drinnen; Anregung: die Welt draußen]

Um am Ende von einer erfolgreichen Teilnahme reden zu können, müssen Trainer wie Teilnehmer fünf Stationen erfolgreich durchlaufen haben, die sie von Station zu Station immer stärker in das Geschehen der Veranstaltung einbeziehen. Es ist die Auseinandersetzung mit ihren [fühlen, denken und handeln Trainer wie Teilnehmer/ entwickeln sich Trainer wie Teilnehmer in fünf Stufen des Involviertseins oder der Beteiligung]:

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„Hidden Agenda“ und offizielles Thema. 1. Teil: Wie entstehen Erwartungen an ein Seminar?

Nach einer Veranstaltung in Bremen neulich war es wieder einmal Thema: warum erwarten manche Teilnehmer sehr viel anderes vom Fortbildungsseminar als sie eigentlich erwarten könnten? Liegt es daran, wie Seminare in Unternehmen zustande kommen – ja und wie kommen sie eigentlich zustande?

Die Fort- und Weiterbildung fragt nach der Festlegung der Pflichtthemen, welche Themen sonst noch notwendig und wichtig sind. Vorgesetzte bekommen eine Mail und erfragen Bedarfe und Wünsche bei den Mitarbeitern, die sie an die Fort- und Weiterbildung zurückmelden. Daraus entstehen die Themen, die man mit mir als Trainer abspricht und organisiert. Am Ende steht eine Veranstaltung im Programm, wie z.B. folgende: „Türen öffnen und Grenzen ziehen. Der professionelle Umgang mit schwierigen Menschen“ und ich kann gleich drei Termine im Kalender blocken, weil der Bedarf zu groß ist. Ich bin glücklich allein schon deshalb, weil ich ein tolles Thema mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten anbieten kann. Deswegen habe ich auch nur die inhaltlichen Höhepunkte in die Ausschreibung aufgenommen, aber auch die reichen gut und gerne für zwei Tage.

Teilnehmersuche

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Im Seminar entscheidet der erste Eindruck

„Ich kam zu spät! Zwanzig Minuten zu spät! Und das als Trainer! Alle saßen schon da und warteten! Eine Katastrophe!“

Junge Trainerkolleginnen und – kollegen lächle ich bei der Schilderung ihrer Katastrophe weise an, um dann kühl und doch verständnisvoll einzuwerfen, irgendwann passiere das jedem. Mir, zum Glück, aber sei es aber noch…. Halt!

Mir ist es passiert – neulich erst. Ich erlebte mein Armageddon als Trainer. Alle schauten mich an, wie ich herein gehetzt kam und mit fliegenden Händen versuchte die Präsentation in Gang zu bringen. Mir ist genau das passiert - mir, der ich als Trainer ein so ungeheures Gewicht auf den ersten Moment der Begegnung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer lege.

Dabei bin ist immer der erste im Seminarraum. Danach richte ich meine ganze Seminarvorbereitung aus und tyrannisiere nebenbei gesagt damit die Hausmeister. Ich will nicht nur der erste im Raum sein, ich möchte auch ganz schnell meine Sachen aufgebaut und eingerichtet haben. Alles soll fertig sein, sobald die erste Seminarteilnehmerin oder der erste Teilnehmer auftaucht.

 

Drei Gründe, erster zu sein

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