Nonverbale Kommunikation

Umgang mit der Zeit

Giorgio, ein vertrauter und langjähriger Kollege, lud uns zum Kongress nach Turin ein. Wir sollten unsere, die deutsche Sichtweise vorstellen, zusammen mit Fachleuten aus Rom, Turin und Lyon. In den letzten Jahren hatten wir immer wieder zusammengearbeitet und kannten uns recht gut. Ein wenig würde es wohl werden wie bei einem Familientreffen. Der Kongress sollte morgens um neun beginnen.

Giorgio kündigte an, uns um 08:15 mit dem Kleinbus vom Hotel abzuholen. Als wir um 08:10 nach dem Frühstück in die Lobby kamen, saß Giorgio bereits da, hatte eine Espressotasse vor sich und spielte mit dem Autoschlüssel. Um 08:15 kamen die französischen Kollegen auf dem Weg zum Frühstück durch die Lobby und begrüßten uns herzlich. Um 08:20 kamen die anderen italienischen Kollegen vorbei, die auf ihrem Weg in den Frühstücksraum auf die französischen Kollegen trafen, die ihr Frühstück gerade beendet hatten. Um 08:35 waren dann auch die italienischen Kollegen fertig und wir fuhren los - ohne dass ein Wort über die Verspätung gefallen wäre.

Nein, die Verspätung wurde auch nicht etwa stur oder verbissen verschwiegen, sie war einfach für niemanden ein Thema, außer natürlich für uns. Wir aber sagten nichts und schauten nur gelegentlich verstohlen auf die Armbanduhr. Im Kongresscenter trafen wir andere vertraute Kollegen und tranken um kurz nach neun erst einmal einen Espresso miteinander.

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Distanzzonen? Vergessen Sie ihr Metermaß!

Körpersprache und Nonverbale Kommunikation sind ein noch ziemlich junges Gebiet der Kommunikationsforschung. Unter „Körpersprache“ wurde bis weit in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts allein das Ausdrucksverhalten von Schauspielern verstanden. Das änderte sich als die ersten Forschungen zur nonverbalen Kommunikation Ergebnisse lieferten, die sich populärwissenschaftlich und damit breitenwirksam umsetzen ließen. Die populäre Beschäftigung mit der Körpersprache generierte schnell Erwartungen, die sich nur als überzogen, ungerechtfertigt, spirituell und in vielen Fällen geradezu als manipulativ bezeichnen lassen. Die Gedanken anderer lesen zu können, ist ein Beispiel dafür. Von den echten Ergebnissen der Forschung drang nur ein Hauch in die allgemeine Luft: es gäbe Zonen, Distanzzonen, bis zu deren Grenze man sich dem anderen Menschen nähern dürfe; bei der Verletzung der Grenze müsse man notfalls mit Rabattz rechnen. Die Armeslänge wurde zum Maß dieser Dinge und diesen Maßstab treffen wir heute immer wieder bei den Teilnehmern in unseren Seminaren zur nonverbalen Kommunikation an.

Gegen die Popularisierung wissenschaftlicher Ergebnisse ist nichts zu sagen, sie ist vielmehr zu begrüßen, auch dann wenn die Tatsachen arg verkürzt und verbogen werden. In dem Fall der Distanzzonen treffen wir aber auf ein grundsätzliches Missverständnis und das ist zu klären.

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Körpersprache in Verhandlungen

Bei der letzten Ausgabe des Seminars zur Körpersprache in Verhandlungen des VDI Stuttgart geriet ich in eine Schleife. Ein Teilnehmer lehnte sich langsam in seinen Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust, streckte die Füße etwas aus und fragte mich mit zweifelndem Gesichtsausdruck: „Sind Sie eigentlich überzeugt von dem, was Sie das sagen?“

Was war es, das dem Teilnehmer eine glaubhaft ungläubige Körperhaltung und Miene entlockte, die er aber selbst nicht für authentisch hielt, sondern als eine bewusste Selbstinszenierung bot? Ich wusste sofort, wie wenig ihn mein „Ja“ interessierte; ihn interessierte vielmehr, wie ich mich in dieser Situation selbst inszenieren würde – das war mir klar, was der Teilnehmer natürlich ebenfalls wusste.

Die gespielte Skepsis, die inszenierte Weigerung, mit mir mitzugehen, sondern statt dessen die Bereitschaft, eine distanzierte oder gar konträre Meinung darzustellen, entzündete sich an der Behauptung, der größte Teil der menschlichen Kommunikation passiere körpersprachlich und nonverbal. Ich war in der Schleife als mir klar wurde, dass die gespielte Distanz des Teilnehmers nur möglich war, weil seine Inszenierung eine genaue Bekräftigung meiner Behauptung war.

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Meine Themen 2019

2019 werden sich die Entwicklungen der letzten Jahre fortsetzen und in vielen Bereichen weiter beschleunigen: Digitalisierung, Globalisierung und die Entwicklungen der Arbeitswelt. Herausforderungen werden drängender, komplexer und erfordern Entscheidungen.

Auch 2019 ist also ein Jahr, in dem die störungsfreie Kommunikation zwischen allen Beteiligten ihren hohen Stellenwert behalten wird. Kommunikation ist das Gespräch und besonders das persönliche Gespräch, der Austausch vom einen zum anderen.

Aus diesen Herausforderungen  und Bedingungen erwachsen meine Themen für 2019:

Körpersprache und nonverbale Kommunikation - Im Austausch untereinander ist wichtig, wie wir etwas sagen und nicht allein was wir sagen – also die Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Mein besonderer Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Körpersprache in der Gesprächsführung, besonders in Verhandlungen und die Körpersprache in der Fort- und Weiterbildung. Dazu biete ich Vorträge an ("Versteckte Botschaften") und Seminare.

Persönliche Beziehungsnetzwerke - Am besten ist, wenn wir uns mit den richtigen Menschen treffen und lange mit ihnen in Kontakt bleiben, um uns über unsere Themen austauschen können und zum Vorteil aller wechselseitig zu unterstützen. In diesem Bereich („Shared Networking“/ Kooperatives Netzwerken“) setze ich meine Kooperation mit Andreas Reuther fort und biete gemeinsam mit ihm Workshops für die Entwicklung von Team-Netzwerken an.

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