Sprüche, Sprüche - nichts als Sprüche

Dieser kleine Beitrag war nicht geplant, ergab sich aber aus dem besten aller Anlässe. Ich wurde darum gebeten. Und das kam so: vor einigen Tagen moderierte ich ein Seminar „Kundenorientierung und Beschwerdemanagement“. Beschwerden machen die schwierigen und schwer zu bändigenden Kunden. Schwierig heißt, die Kunden kreisen jenseits des guten Zuredens und vernünftigen Argumentierens in ihren Schleifen des Rechthabens und Rechtforderns. Wer wünscht sich in dieser Situation keine schlagfertigen Antworten und keine coolen Sprüche, um die Situation für sich zu entscheiden und endlich Ruhe zu haben? Ich sagte meine Hilfe zu, zumal ich selbst bereits im Seminar Sprüche vom Stapel gelassen hatte. Deshalb finden Sie hier einiges an Sprüchen, die ich gern der jungen Teilnehmerin („Jugend ist ein Nachteil, der sich mit der Zeit gibt“) zueigne, als sie danach fragte.

Mit Sprüchen kann man gut den Tag beginnen, nämlich bereits vor dem Frühstück mit einem prüfenden Blick auf die eigene Gesichtslandschaft („Wer morgens zerknittert aufwacht, hat tagsüber viele Entfaltungsmöglichkeiten“), wenn ihn nicht gar der Zweifel befällt, er selbst zu sein („kenne ich nicht, wasche ich nicht“), weil das Wochenende („die Nacht von Freitag auf Montag“) vielleicht ein wenig zu heftig war. Entschließt man sich dann doch nach einigem Feilschen mit sich selbst („Sommersprossen sind auch Gesichtspunkte“) über das eigene Aussehen („in dem Gesicht hat der Zahn der Zeit schon manche Festmahle gehalten“) in den Tag zu starten, geschieht das am besten mit einem maximal ausgebauten Selbstbewusstsein („mit dem Selbstwertgefühl kommt man direkt entweder in die Psychiatrie oder ins Weiße Haus“), so dass man den unten bereits wartenden Taxifahrer auf seinen fragenden Blick nach der Adresse sagen kann: „Fahren Sie mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht.

Angekommen weiß man, was man kann („theoretisch kann ich praktisch alles“) und in dieser Laune lässt sich weitermachen. Man steuert seinen Platz an, egal wo der auch ist, es kann nie im Hintergrund sein („Wo ich bin, ist vorn.“) Als Experte für irgendetwas geht es dann auch gleich zur Sache: „Verschonen Sie mich mit Ihrem Problem, ich habe bereits die Lösung“. Vielleicht wird Rat in Verfahrensfragen erbeten: „Wenn das einzige Werkzeug ein Hammer ist, wird jedes Problem zum Nagel“, oder man relativiert die Grippeepidemie der Beschäftigten („Erkältung ist Charakterschwäche“) und ordnet das betriebliche Gesundheitswesen („Es gibt keine kranken Mitarbeiter, sondern nur fleißige und faule“) neu, um vor dem Mittagessen noch schnell einen Rat zur Midlife-Crisis zu geben: „Lieber würzig mit vierzig als ranzig mit zwanzig.“ Die Entscheidung des Mittagessens fällt zwischen McDonald‘s („Essen beim schottischen Grafen“), einem Reisgericht („Hongkongschotter“) und einer Pizza („Mafiatorte“). Dass die nachfolgenden Stunden schwer werden können („Suppenkoma“) ist nicht verwunderlich, selbst wenn es Ärger und Drohungen geben sollte. Die bringen meistens aber nichts und enden oft ergebnislos: („Wer als Tiger startet, landet nicht selten als Bettvorleger".) Aus dieser Erfahrung kann durchaus die Gelegenheit erwachsenen, dem Kontrahenten ein persönliches Feedback zu geben: „Ihr Gesicht und mein Gesäß ergäben ein prima Zwillingspaar.“ Vielleicht liegt aber die wirkliche Herausforderung des Tages noch in der Zukunft, weil unvermeidliche Ergebnisse auftauchen: („So was kommt von sowas her“), Verantwortung dagegen aber nicht gern übernommen wird: („Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt’s an der Badehose“) und bei manchen Beteiligten die Neigung zu gewaltsamen Lösungen nicht mehr fern ist („Ein guter Schuss zur rechten Zeit, schafft Ruhe und Gemütlichkeit“). Da ist es vielleicht doch kein schlechter Rat, nach Hause zu fahren und mit Aufgewärmtem („adeliges Essen – von gestern“) den Tag ausklingen zu lassen. Oder, um mit einem Dichterwort zu enden: „Das Weg ist der Ziel“.

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