Gedanken aus der Krise (2): New Work und dann?

Erinnern Sie sich noch an das Schlagwort „New Work“? Das war damals vor der Krise ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe erdachter und gewünschter neuer Entwicklungen des Arbeitslebens: Digitalisierung, dezentrales und situatives Arbeiten, Autonomie und Selbstverantwortung der Beschäftigten bei gemeinsamen und von allen Zielen für das Team und die Unternehmung. Damals vor der Krise, in den lang zurückliegenden Zeiten des Januar 2020 klangen diese Gedanken wie eine Utopie, die erst in ganz wenigen Unternehmen zaghaft realisiert wurde. Natürlich hatte das Schlagwort des „New Work“ damals allen Sonnenschein der Utopie: Mitbestimmung, Selbstverwirklichung, Ideen und Visionen.

Findet eine Vision ihre Praxis, bringt die einen kräftigen Grauschleier der Pragmatik in das schöne Bild. Praxis aber zählt und schafft die Wirklichkeit, in der sich die Ideen weiter entwickeln können.

Inzwischen haben vielen Millionen Beschäftigte in Deutschland und anderswo ihre praktischen Erfahrungen im Homeoffice gemacht – sie haben im New Work gearbeitet und gelebt und tun es noch für einige Zeit. Freilich war die Entscheidung dafür in den wenigsten Fällen freiwillig. Wird einem die Entscheidung im Homeoffice abgenommen, hat das einen Vorteil. Dem Zwang und der Einsicht in die Notwendigkeit zu folgen, ist eine gute Versicherung gegen Enthusiasmus und so können wir davon ausgehen, dass die Erfahrung der vielen mit New Work authentisch sind.

Das Resümee ist deutlich: Ja, New Work funktioniert, es ist machbar, es ist zwar kein Himmelreich und kein Palmenstrand am Meeresrand, aber es ist umsetzbar: die Kinder werden halbwegs von der Schule versorgt, der Arbeitsplatz zuhause ist halbwegs eingerichtet und das Netz spielt mit – meistens jedenfalls. Natürlich sind die Pausen zwischen den Arbeitseinheiten nicht die kreativen Pausen der reinen Theorie des New Work. Stattdessen: der Trockner fiepst, der Hund muss mal raus und DHL steht stumm vor der Tür und reicht ein Paket mit der bestellten Ovomaltine rein. New Work funktioniert im Alltag.

Was jetzt?

Wie geht es weiter, wenn die Krise vorbei und die Vor-Krisen-Zeit tiefste Vergangenheit ist? Jutta Allmendinger und Jan Wetzel geben Ansätze einer Antwort: sie stellen die Vertrauensfrage – so der Titel ihres vor einigen Tagen erschienen Buches („Die Vertrauensfrage: Für eine neue Politik des Zusammenhalts“). Vertrauen führt Menschen zusammen, erzeugt ein Wir-Gefühl, bewirkt Solidarität und aktive Verantwortung für andere und alle. So knapp lässt sich der Gedanke des Buches auf einen (groben) Nenner bringen.

Als Organisationsberater und Kommunikationstrainer können wir uns den Gedanken des Buches sofort anschließen. Wenn wir aber wissen wollen, wie es weitergeht nach New Work und was wir tun müssen, ist die Vertrauensfrage präziser zu stellen. Die Antworten auf die praktischen Aspekte der Vertrauensfrage müssen im Rahmen der alltäglichen Arbeit eines Teams diskutiert werden können, und zwar so, dass Lösungen entstehen.

Die Aufgabe heißt damit: operationalisieren wir die Frage als Vertrauensauftrag für Teams. Teams werden also miteinander reden, sie werden die Möglichkeiten der Metakommunikation ausloten und Konflikten so wenig aus dem Weg gehen, wie sie die Realisierung von Visionen unversucht lassen. Darüber müssen wir reden – mit Ihnen und ihren Teams.

Abbildung: Wikipedia: "SARS-CoV-2", ULR: https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV-2; URL der Abbildung: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:2019-nCoV-CDC-23312.png; recherchiert am 22.03.2020.

Tags: