Wo bleiben die Hausmeister?

Ja tatsächlich, wo bleiben sie? Eine Antwort könnte sein, dass Sie an meinem Seminar teilnehmen. Das wäre zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit und außerdem wären wir da in der Mitte der Geschichte. Fangen wir am Anfang an.

Neulich wurde ich um ein Seminar für Hausmeister gebeten, genauer: um ein Seminar für Schulhausmeister. Anlass und Thema waren der Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schüler. Meine Zusage kam sofort und freudig. Ich habe gern mit Schwierigkeiten im pädagogischen Kontext zu tun – als Seminarthema.

Die Vorbereitung offenbarte eine seltsame Lücke, eine Art Bermuda-Dreieck im Schulgelände, in dem die Hausmeister irgendwie verschwanden. Über schwierige Schüler gibt es eine Menge guter und gutgemeinter Literatur von Pädagogen für Pädagogen und Eltern. Wenn man sich den Hausmeistern zuwendet, findet man einige Literatur und Websites, die sich ihnen aus der Perspektive des Gebäudemanagements nähern.

Dazwischen gibt es nichts, kein Buch, keinen Aufsatz, keine Website über den Umgang von Hausmeistern mit schwierigen Schülern. Wo sind denn hier die Hausmeister? Die Antwort ist einfach: sie sind nicht da – sie werden nicht berücksichtigt. Nicht dass sie keine Schwierigkeiten hätten – im Gegenteil. Deswegen das Seminar, aus dem am Ende dann sogar zwei wurden. Es gab einen gewissen Andrang auf der Warteliste.

Gleich am Anfang fragte einer der Teilnehmer – wir müssen nicht „gendern“, es waren nur Männer anwesend -, ob wir denn ausschließlich über Schüler redeten und nicht auch über Lehrer? „Oder über Eltern“, wie sich dritter vernehmen ließ. Damit haben wir das Spannungsfeld bestimmt – ein Dreieck aus Schüler, Lehrer und Eltern. Mittendrin die Hausmeister.

In diesem Dreieck bewegten wir uns einen ganzen Tag lang und die „Bewegung“ dürfen Sie wörtlich nehmen. Ohne theoretische Wolkenschiebereien ging es gleich zur Sache und zum Rollenspiel: wie verschaffen sich die Hausmeister den Respekt, den sie zu Recht beanspruchen, der die Grundlage ihres Handelns ist und den sie so oft vermissen?

Die Hausmeister klagten nicht, aber sie erzählten Vorfälle und Begebenheiten. Daraus entstanden viele Rollenspiele. Ein Beispiel? Der unter den Augen des Hausmeisters absichtsvoll neben die Tonne geworfene Müll. Ein anderes? „Sie haben mir gar nichts zu sagen, sie sind nur Hausmeister.“ Im ersten Fall agiert ein Schüler, im zweiten spricht eine Mutter. Die handelnden Personen lassen sich auch vertauschen. Hausmeisteralltag.

Regel-, Norm- und Wertverletzungen können nicht einfach weggesteckt, übersehen oder entschuldigt werden als wären sie nie passiert. Das war unser zweites Thema: wie geht man mit „kleinen“ und als unwichtig erscheinenden Situationen um, in denen etwas schief läuft? Am besten ist, sofort zu reagieren. Dahinter steht die „broken-window“-Überlegung: wenn auch nur eine zerbrochene Fensterscheibe nicht beachtet wird, ist das ganze Haus vom Verfall bedroht.

Eine richtige, also angemessene und klare Rückmeldung an den Verursacher hilft eine zweite Regelverletzung gar nicht erst vorkommen zu lassen. Oder wie einer der Hausmeister es ausdrückte: „Naja, sie werden mich dafür nicht lieben. (Kleine Pause). Aber sie werden mich so respektieren, dass ich meine Arbeit tun kann.“

Ziel erreicht!

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