Vier Geschichten und ein Erfolg - Rückblick auf eine Veranstaltung

Der Fachkräftemangel kann Anlass sein für streng methodische Ausführungen zur Statistik innerhalb der Volkswirtschaftslehre – oder Anlass für Geschichten. Heute hörten wir die Geschichten.

Was war der Anlass? Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssen der Fachkräfte wegen an vielen Fronten agieren: die Belegschaften werden älter und sind dann weg; passender Nachwuchs ist schwierig zu bekommen und im betrieblichen Alltag zeigt sich immer wieder der Bedarf nach Fachleuten. Von Agieren kann nur selten die Rede sein, Reagieren zu wollen ist nicht selten schon eine Herausforderung für Unternehmen.

Heute waren die Geschichten des Agierens dran. Vorbild, Mahnung, Anreiz, Warnung – dafür sind die Geschichten gut: das Gehörte in die eigene Wirklichkeit übertragen. Mit diesem Ziel waren die Initiatoren angetreten.

Die Veranstaltung des Teams „Fachkräftesicherung“ der hiesigen IHK hatte sich für ein ungewöhnliches Format entschieden und ich hatte den Auftrag, die Veranstaltung zu moderieren.

In einem großen Raum waren die vier Ecken für vier KMU reserviert, Unternehmen, die sich auf irgendeine Weise mit dem Thema Fachkräftemangel erfolgreich auseinandergesetzt hatten. Die Bistro-Tische in der Mitte des Raumes dienten als Andockpunkte für die Gäste. Fünfzig hatten sich früh genug angemeldet; weitere vierzig waren etwas zu spät dran und werden erst bei der Nachfolgeveranstaltung im Februar zum Zuge kommen.

Die Veranstaltung begann gegen 13:00 Uhr; und zwar gewollt informell mit einem gemeinsamen Chili und Kaffee. Mein Platz war beim ersten Gast, vorn rechts in der Ecke. Wir begannen über den Fachkräftemangel im Unternehmen zu plaudern und in den ersten Minuten war es als wären wir allein am Bistrotisch ganz ohne Publikum. Das bezogen wir langsam ein und so wurde aus dem Plaudern zu zweit eine richtige Moderation.

Also eine fast konventionelle Moderation: Gäste wurden befragt und für das Publikum wurde ein Überraschungsmoment eingebaut. Für die Mittagszeit, die Zeit des Suppenkomas, also gar nicht schlecht.

Über eine konventionelle Moderation muss ich aber nichts schreiben, die gibt es oft genug. Heute gab es eine Herausforderung: Die vier Ecken der Gäste, zwischen denen das Publikum stand, das sich drehen musste, wenn es uns in den Interviews sehen und hören wollte. Die vier Gästetische, die wir nicht nacheinander abarbeiteten, sondern diagonal durch den Raum kreuzend, besuchten. Das ist schon nicht mehr konventionell. Zur Herausforderung für mich wurde es, weil ich das Publikum einbeziehen wollte.

Die Geschichten der Gäste wurden für das Publikum erzählt und ich befragte es. Blickkontakte und Fragen, ein Zunicken und eine Geschichte aus dem Publikum. Gehörte Geschichten ermuntern, eigene Geschichten zu erzählen, die von Ähnlichem handeln. Wir hörten Geschichten von der Suche nach Fachkräften und dem Finden. Zum Schluss hatte ein gutes Dutzend der Gäste Geschichten erzählt, die eigenen Geschichten.

Damit war die Veranstaltung keine nach dem Gießkannenprinzip – eine Lösung rieselt auf alle Fragen und Probleme, sondern ein Austausch von Geschichten. Gute Veranstaltungen sind immer ein Austausch von Geschichten.

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