Körpersprache in Verhandlungen

Bei der letzten Ausgabe des Seminars zur Körpersprache in Verhandlungen des VDI Stuttgart geriet ich in eine Schleife. Ein Teilnehmer lehnte sich langsam in seinen Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust, streckte die Füße etwas aus und fragte mich mit zweifelndem Gesichtsausdruck: „Sind Sie eigentlich überzeugt von dem, was Sie das sagen?“

Was war es, das dem Teilnehmer eine glaubhaft ungläubige Körperhaltung und Miene entlockte, die er aber selbst nicht für authentisch hielt, sondern als eine bewusste Selbstinszenierung bot? Ich wusste sofort, wie wenig ihn mein „Ja“ interessierte; ihn interessierte vielmehr, wie ich mich in dieser Situation selbst inszenieren würde – das war mir klar, was der Teilnehmer natürlich ebenfalls wusste.

Die gespielte Skepsis, die inszenierte Weigerung, mit mir mitzugehen, sondern statt dessen die Bereitschaft, eine distanzierte oder gar konträre Meinung darzustellen, entzündete sich an der Behauptung, der größte Teil der menschlichen Kommunikation passiere körpersprachlich und nonverbal. Ich war in der Schleife als mir klar wurde, dass die gespielte Distanz des Teilnehmers nur möglich war, weil seine Inszenierung eine genaue Bekräftigung meiner Behauptung war.

In der Technik und Terminologie der Körpersprache kann man das kleine Schauspiel als inkongruente Botschaft bezeichnen, als eine Botschaft, in der Gesprochenes nicht mit dem übereinstimmt, was der Körper äußert. Unbehagen und Verwirrung sind bei den Gesprächspartnern meistens die Folge, besonders dann, wenn man die Kommunikationssituation nicht analysiert, was ja im Alltag meistens der Fall ist.

In dem Seminar allerdings analysieren wir solche Situationen, spielen sie nach und spielen sie mit verschiedenen Annahmen durch, methodisch und von der Pike auf. Wie immer beginnt die Arbeit an der eigenen Körpersprache mit der Beobachtung anderer Menschen. Daraus entsteht die Frage, wie denn meine Körpersprache in der gleichen Situation betrachtet werden kann und wie sie sich gestalten lässt. Wir probieren viel und wir diskutieren viel –entlang an den eigenen Zielen und Möglichkeiten. Denn um die geht es immer – auch wenn ich mich ständig selbst neu erfinde, weil ich mich stets inszeniere.

Das Seminar findet am 4. und 5. Dezember beim VDI in Stuttgart statt. Anmeldungen sind noch möglich.

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