Rückblick auf eine Moderation

Die Veranstaltung am letzten Dienstag (23.10.20) war schon die sechste über Menschen mit Schwerbehinderungen in der Arbeitswelt. In einem anderen Beitrag hatte ich sie vor einiger Zeit hier angekündigt. Heute ging es ans Eingemachte, alle denkbaren philanthropischen Rücksichten, wie ein harmonisches Zusammenleben im Betrieb und so weiter, waren bereits in den anderen fünf Veranstaltungen ausreichend Thema gewesen. Jetzt stand die „K-Frage“ im Mittelpunkt, die Möglichkeit, schwerbehinderten Mitarbeitern zu kündigen, wenn es denn notwendig sein sollte. Im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen also eine inhaltliche Wendung um 180 Grad.

Der Beschäftigung mit dem Thema der Veranstaltung einen besonderen Akzent zu geben, ist stets Herausforderung für mich. Die Moderation darf nämlich nicht zu einem affirmativen Nachhecheln werden, das jeder Realisierung des Themas einen verbalen Ritterschlag gibt. Es kann aber auch nicht sein, und schon gar nicht aus einer über allem schwebenden rhetorischen Distanz, vielleicht noch mit einer ironischen Einfärbung, dem Thema den Todesstoß zu versetzen. Distanzierte Moderation könnte das Motto der beiden Enthaltungen sein. Hinzu kommt die Aufgabe, der aktuellen Veranstaltung innerhalb der ganzen Reihe eine Rechtfertigung durch besondere Akzente zu geben.

Damit sind die Grundlagen und Leitlinien genannt und nach deren Maßgabe und Möglichkeiten legten wir die Veranstaltung an. Dazu gehörte es auch, Gäste einzuladen – natürlich besonders das Unternehmen, dessen Geschichte wir uns ausliehen.

Wir legten der Veranstaltung einige Spielszene zugrunde. Aus dem Team zur Organisation der Veranstaltung spielten zwei die Rolle zentraler Akteure bei einer Kündigung Schwerbehinderter. Es gab den Personaler und eine betroffene Mitarbeiterin, sowie den Personaler und die Vertrauensperson des Unternehmens. Drei Szenen: ein Anfang mit einer Problemskizze und eine Schlussszene, die die Lösung brachte. Zwischen beiden lag die Darstellung die Informations- und Verhandlungsarbeit zum Ergebnis hin.

In die Szenen einzuführen machte mir besonderen Spaß: „Meine Damen und Herren – es sind doch immer die erlebten Geschichten, die zu Einsichten und Erfahrungen werden...“. Und für den Kontext: „Wir befinden uns im Besprechungszimmer der ABC-GmbH…“. Die beiden Funktionsträger und der Kontext wurden vorgestellt und dann war die Bühne frei. Es war sehr plastisch, anschaulich und sehr unterhaltend. Später sprach ich mit der „richtigen“ Personalerin, deren Geschichte und Funktion wir für die Szene übernommen hatten. Die Floskel von der „K-Frage“ wurde zum Schibboleth des Abends, die Podiumsdiskussion nahm immer wieder den roten Faden der Spielszenen auf.

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