Mein Weg zum Edutainment: Die Schule

Schon bevor mir die erste Schulglocke läutete, entfaltete die Schule ihre erzieherische Wirkung. Kurz nach meinem fünften Lebensjahr wurde sie zunehmend in die Ermahnungsmaßnahmen der Eltern eingebaut: „Wenn du erst einmal zur Schule gehst, dann hast du nicht mehr viel zu lachen.“ Leider behielten meine Eltern Recht, es gab dort nicht viel zu lachen und wenn es mal doch etwas zu lachen gab, dann hatte der Witz garantiert die pädagogische Qualitätskontrolle bestanden. Denn es waren die Lehrer, die die Witze machten - wenn überhaupt. Kam einer der keimfreien und pädagogisch wertvollen Witze von vorn, dann mussten wir lachen. Auch dann wenn wir den Witz nicht verstanden, doch das war wohl der Trick bei der Sache.

Ein paar andere offizielle Gelegenheiten, in denen Lachen im Unterricht erlaubt war, gab es auch noch. Fand sich ein Mitschüler, um an ihm den pädagogischen Witz zu wetzen, dann durften wir anderen lachen. Der Unterschied zum Witz des Lehrers lag nicht in dessen Qualität, sondern im Verpflichtungsgrad des Lachens. Wurde Klaus niedergemacht, weil er den Ablativus Absolutus nicht erkannte, dann durften wir lachen, mussten es aber nicht.

Mehr gibt es über das Thema Lachen in der Schule nicht zu sagen. Zumindest was meine Erinnerungen betrifft. Zum Glück liegen die schon Jahrzehnte zurück und vielleicht hat sich heute etwas geändert. Die Erinnerungen an dieses Wunderland („mich wundert, dass sie dich noch nicht rausgeschmissen haben“) verblassen langsam, ohne sich ins Wohlige zu verwandeln. Klar und deutlich, wie das Grinsen der Chesire-Katze blieb die Frage nach dem Lachen in der Schule.

Geht Schule überhaupt nur, wenn das Lachen, wenn die Erlaubnis oder Aufforderung zum Lachen reglementiert werden? Lassen wir die Frage vorerst einmal sittsam am rhetorischen Halsband, sonst kommen wir nicht so schnell mit dieser Überlegung zurande.

Die Erfahrungen der Schule schlagen viele kleine Wellen durch den weiteren Lebenslauf. Die vielen einzelnen Erfahrungen schlagen auch große Wellen durch die Gesellschaft und Kultur und so gibt es ein stereotypisches Bild der Schule, das sie gut wiedererkennbar macht: die Schüler sitzen und verhalten sich nach vorn gerichtet, der Lehrer steht und wendet sich den Schülern zu. Die Sitzordnung ist „wie in der Schule“ oder – ganz modern – in Blöcken und vorn finden wir die Tafel oder inzwischen eine Konzentration von allerlei pädagogischer Projektions- und Aufschreibetechnik.

Nach diesem Plan sind Lernräume eingerichtet, selbst dann, wenn keine Kinder, sondern Erwachsene unterrichtet werden. Alle finden mit schlafwandlerischer Sicherheit ihren Platz und am Platz ihre Rolle. Ordnung ist das erste Merkmal solcher Unterrichtssituationen und Unterordnung das nächste. Das Gespräch im Unterricht hat eine grundlegende Struktur: die Person vorn redet aufgrund ihrer Rolle und Tätigkeit. Sie verwaltet das Recht zu reden. Die Lernenden dürfen auch reden, doch erst nach Aufforderung und mit Erlaubnis.

In einer als Wahllokal dienenden Grundschule sahen wir – es ist noch nicht lange her – fünf Regeln für Schüler. Eine hieß „Wir schweigen, bis wir dran sind.“. Kein Wunder, dass hier vieles Ungesagte unter die Räder kommt. Die Frage nach dem Lachen zum Beispiel, nach dem Spaß und der Tollerei beim Lernen, die Frage nach dem Anarchischen, dem Ungeregelten und Unregelbaren, dem Überraschenden und Zufälligen – und zwar nicht als hereinbrechende Katastrophe, sondern als angestrebter Zustand. Dann würde sich die Rolle des Lehrenden ändern, sie würde sich ändern müssen. Die Methoden müssten es sowieso. Womit wir beim Edutainment wären.

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